Wir sind ja nicht zum Spaß hier

Ehrlich. Was für’ne Zeit.

Die Menschheit spaltet sich in zwei Lager, habe ich das Gefühl. Die Kategorien sind überschaubar: diejenigen, die finanziell von den Corona-Maßnahmen betroffen sind; diejenigen, die es nicht sind.

Für Letztere läuft das Leben fast weiter wie gewohnt. Und das ist auch schön so und freut mich sehr für sie. Aber für uns andere ist alles anders. Wir haben Geld verloren, Zuversicht und Nachtschlaf. Vielleicht noch mehr.

Und dann diese wirtschaftlichen Konsequenzen, von denen ja niemand etwas ahnte: Arbeitslosigkeit, Firmeninsolvenzen, Konjunkturrückgang, Einbruch der Weltwirtschaft, Rückgang von Gewerbesteuereinnahmen für die Kommunen. Sowas. Von den gesellschaftlichen, sozialen und gesundheitlichen Folgen mal ganz zu schweigen.

Mal ein Blick in die Gastronomie:

Sarah Wiener musste nun für ihr Berliner Restaurant und den Catering-Service Insolvenz anmelden. Die Entscheidung der Politik zum Lockdown hält sie dennoch für richtig. Aha, sagt der geneigte Leser der Nachrichten, da ist noch was. Richtig. Sie hat andere Einnahmequellen. Soso.

Tim Mälzer hingegen – der ebenfalls über andere Einnahmequellen verfügt – kämpft leidenschaftlich für mehr Aufmerksamkeit und Verständnis für Selbstständige, deren Unternehmen und deren Mitarbeiter. Ihm ist es nicht egal, was aus seinen Mitarbeitern wird. Er sieht Folgen für die gesamte Branche über – haha – den Tellerrand hinaus. Über soviel Weitsicht verfügt offenbar nicht jeder. Ich kann mich Tim Mälzers Engagement nur demütig anschließen.

Wir machen das nicht zum Spaß hier. Wir leben von dem, was wir einnehmen. Wir bei Mausbuch für unseren Teil leben nur von dem, was wir einnehmen – wir haben keine weiteren hochdotierten Quellen oder Lizenzverträge. Aber wir haben Mitarbeiter und sind steuerpflichtig. Wenn man uns mit Berufsverbot belegt, so hat das Folgen. Wenn wir nichts einnehmen dürfen, so können wir von nichts leben.

Nun – unser Unternehmen lebt, aber meine Zuversicht ist angeschlagen, mein Vertrauen in die Politik. Kann man uns einmal zumachen, kann man das auch nochmal. Buchhandlungen braucht man nicht. Aber zum Steuern zahlen taugen wir.