Veranstaltungsbuchhandlung ohne Veranstaltungen

Neulich träumte ich, der Lesekreis würde wieder stattfinden.

Wir befanden uns in einem größeren Raum, vielleicht im Klassenraum einer alten oder umfunktionierten Schule und wir waren viele – aber auch nicht mehr, als der Lesekreis reell an Mitgliedern listet. Drei Dinge verwundern mich allerdings nachträglich: dass einige Mitglieder ihre Kleinkinder dabei hatten (die meisten schliefen in ihren Kinderwagen), dass so einige Teilnehmer im Laufe der Veranstaltung verschwanden und dass ich so wenige von ihnen kannte. Nun ja. Wer hat behauptet, dass Träume Sinn ergeben.

Dereinst führten wir etwa 70 Veranstaltungen pro Jahr durch, davon einige Autorenlesungen, Workshops oder Vorträge, vor allem aber unsere regelmäßigen Termine: Lesekreis, Häkelkränzchen, Taschenlampenlesungen.

Derzeit sehe ich keine Möglichkeit, den Lesekreis mit mehr als 20 Teilnehmern durchführen zu können. Und das liegt mal nicht daran, dass ich zu bockig bin, um eine Lösung für das Problem zu finden. – Wir hatten die Gruppe schon immer auf zwei Abende aufgeteilt, Wahl des Abends war frei. Trotzdem ergab es sich auch gelegentlich, dass wir 12 oder 15 Personen waren. Die Gesprächskultur wird natürlich klasse, wenn so viele Teilnehmer sich um ein Buch kabbeln – aber unter den derzeitigen Voraussetzungen ist dieser Kreis schlecht durchführbar.

Unsere 73qm Ladenfläche erstrecken sich schlauchartig und das ist ein Problem. Sonst nicht, nur bei Veranstaltungen, bei denen 15 Teilnehmer 1,50m voneinander Abstand halten müssen und trotzdem noch verstehen, was der/die andere sagt. Funktioniert das mit den 1,50m auch vertikal, fragt man sich da. Wie war das noch mit der Vektorenrechnung…? Und wie viel Gewicht trägt so ein durchschnittliches Billy eigentlich?

Gehen wir doch nach draußen, schlug ein Mitglied des Lesekreises vor, in den Garten hinter dem Haus. Gute Idee. Lediglich ist die Geräuschkulisse vielleicht ein Problem, denn direkt hinter dem Zaun befindet sich ein öffentlicher Spielplatz. Dort spielen Kinder – okay – und feiern zu allen Tages- und Nachtzeiten Anwohner mit offenbar sehr flexiblen Arbeitszeiten lautstarke, alkoholisierte Partys. Oder unser Nachbar verkauft auf dem Hof nebenan seine Ware, auch lautstark (Hafenstraße, eben). Nicht gerade die Atmosphäre für einen Lesekreis. Mal abgesehen von der norddeutsch schwankenden Wetterlage.

Oder machen wir das online, schlug eine andere Teilnehmerin vor, per Videokonferenz. Ja. Nee. Digitalisierung ist ja ganz lustig, funktioniert aber einfach oft nicht. Gesprächskultur stelle ich mir auch irgendwie anders vor als ständig technische Probleme und digitale Missverständnisse klären zu müssen. Obwohl man das eigentlich mal aus Spaß ausprobieren müsste. Nur erwarten dürfte man davon nichts.

Nee, geht nicht. Lesekreis geht einfach im Moment nicht.

Also warten wir. Bis die Nebelschwaden der Verwirrungen sich legen und die Welt wieder normal wird. *prust*