Die Buchhandlung

Seit dem 27.Mai 2010 gibt es die Buchhandlung Mausbuch in Lehe und eigentlich wollten wir unser 10jähriges Bestehen im Mai 2020 feiern.

Wir gehören keiner Kette an, sind ein eigenständiges Unternehmen, inhabergeführt und unabhängig. Service liegt uns am Herzen und Buchhandel ist für uns mehr als nur Verkaufen. Wir wurden dreimal – 2010, 2018 und 2019 mit Preisen gewürdigt, woraus ich abgeleitet hatte, dass wir eine nicht ganz unwichtige Arbeit leisten. Und irgendwas auch richtig machen.

Bis wir am 16.3.2020 von der Entscheidung der Bundesregierung, Buchhandlungen in 14 Bundesländern seien „nicht systemrelevant“ schwer angeschossen wurden, hatte ich an all diese Ideale geglaubt: an das Land mit Buchpreisbindung, in dem das Buch noch wertgeschätzt wird, das Land der Dichter und Denker, das Land, in dem Leseförderung noch was gilt, weil wir alle nicht wollen, dass der Anteil von 20% nicht alphabetisierter Viertklässler noch zunimmt.

Alles zerschossen von einer simplen Entscheidung, die auf sehr, sehr schwammigen Zahlen und Fakten fußt. Alles zerschossen von Maßnahmen, die man auch anders hätte durchführen können – kontrollierter, mit Augenmaß oder einfach in der richtigen Reihenfolge.

Eine Buchhandlung in einem sagen wir mal unterprivilegierten Stadtteil zu eröffnen, war ein Politikum, keine Frage, nur ohne Politik. Mein Glaube an den Stadtteil stach da heraus, aber auch mein Glaube an das System, an eine Wertegesellschaft, ein Bildungssystem.

Alles zerschossen.

Ich halte es für meine Pflicht als Buchhändlerin, als Vertreterin der verbreitenden Branche von Bildungsmedien, jetzt politisch zu werden. Alle Bloginhalte vertreten jedoch ausschließlich meine eigene Meinung, nicht die meiner Mitarbeiter (derzeitige und ehemalige), des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels oder anderer Handelsverbände, nicht die meiner Kunden oder meiner Kollegen. Ich ätze hier allein.

Nicht systemrelevant. Pah. Das sehe ich anders. Viele andere Gott sei Dank auch!

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