Der Lesekreis hat entschieden

Der Lesekreis der Buchhandlung Mausbuch hat seinen Favoriten gewählt

Als einer der glücklichen Lesekreise, die 2018 zum „Lesekreis zum Deutschen Buchpreis“ gewählt wurde, hatte sich der Kreis der Buchhandlung Mausbuch mit Feuereifer an die Arbeit gemacht.

Noch vor Bekanntgabe der Shortlist wurde eine eigene erstellt – und mit großem Erstaunen eine Woche später mit der von der Jury zum Deutschen Buchpreis designierten Liste verglichen: genau eine Übereinstimmung gab es.

Sechs Titel hatte der Lesekreis zur eigenen Shortlist gemacht, darunter auch Franziskas Hausers „Gewitterschwimmerin“, die vorerst als Favorit galt. Weitere Titel waren Arno Geigers „Unter der Drachenwand“, Nini Haratischwilis „Die Katze und der General“, Ernst Loschütz‘ „Ein schönes Paar“, Angelika Klüssendorfs sowie Adolf Muschgs „Heimkehr nach Fukushima“. Die Liste wurde durch Abstimmung erstellt.

Fünf Monate lang lasen die 22 Mitglieder des Lesekreises sich durch die sechs Titel und trafen sich mehrmals, um ihre Eindrücke zu besprechen. Es war interessant zu beobachten, wie sich die Erwartung an ein Buch durch einen Eindruck durch Erzählung oder Anlesen und dann durch die Meinung nach abgeschlossener Lektüre ersetzt hat. War die „Gewitterschwimmerin“ zuerst die absolute Favoritin des Lesekreises, so polarisierte sie die Meinungen nach der Lektüre gewaltig.  Der Kunstgriff, die Erzählflüsse zeitlich gegeneinander fließen zu lassen, fanden alle Leserinnen spannend. Jedoch war einigen die Sprache zu derb, obwohl der Situation angemessen. Das Thema Kindesmissbrauch, das sich als roter Faden durch das ganze Buch zieht, schreckte auch einige ab.

Nino Haratischwilis „Die Katze und der General“ wurde von vielen Mitgliedern trotz des Umfangs bevorzugt und dann recht zügig gelesen, während der Lektüre aber oft als zu langatmig empfunden. Das Thema war aber wichtig und der Erzählstil eingängig. Es fand auch durchaus seine Fans unter den Mitgliedern.

Auch für Adolf Muschgs „Heimkehr nach Fukushima“ fanden sich Spezialistinnen. Gerade, wer eine Verbindung emotionaler Art nach Japan hatte, konnte mit der vielschichtigen Erzählung Adolf Muschgs mehr anfangen als die anderen Damen. Nur die Adalbert Stifter-Zitate fanden nicht immer Anklang.

Ernst Loschütz‘ „Ein schönes Paar“ wurde kondensiert auf ein Paradebeispiel für nicht stattfindende Kommunikation in der Ehe und durchaus als lesenswert empfunden. Angelika Klüssendorfs lakonischer Stil war auch nicht für jeden etwas.

Überzeugt hat Arno Geigers „Unter der Drachenwand“ und dieses Buch siegte bei der abschließenden Abstimmung des Lesekreises Ende Januar mit Vorsprung. Ein etwas anderes Buch über den zweiten Weltkrieg, urteilten die Mitglieder, eine andere Erzählperspektive mit nachvollziehbaren Handlungen der Figuren.

So gewinnt Arno Geigers den ersten „Leher Literaturpreis“, verliehen vom Lesekreis der Buchhandlung Mausbuch. Der Autor wird in Kürze über seinen Gewinn informiert und nach Bremerhaven eingeladen. Der Lesekreis würde sich sehr freuen, wenn der Autor nach der Reise nach Bremen noch einmal den Weg in den Norden antreten würde.

Abschließend ist nur noch zu sagen, dass der Lesekreis die Erfahrung begeistert und als überaus positiv beurteilt hat. Einen Pool von Büchern zu lesen im eigenen Tempo, nach eigenen Vorlieben und sich über Monate hinweg damit zu beschäftigen, war für alle eine neue und bereichernde Erfahrung.

Der Lesekreis dankt dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels sowie den Verlagen Frankfurter Verlagsanstalt, Eichborn, Hanser, Kiepenheuer und Witsch, C.H.Beck und Schöffling sehr für die Organisation und großzügige Unterstützung des Projektes. Es hat allen Teilnehmerinnen außerordentlich viel Spaß gemacht.