Warum Kinder lesen – und warum nicht: Teil 3

Alles so schön bunt hier – Die Konkurrenz

… durch scheinbar spannendere Dinge im Leben.

Die Branche diskutiert, warum immer weniger gelesen wird. Sind es die Konkurrenzprodukte, also andere Medien wie Videos, Internet, Computer- und Onlinespiele? Wird unsere Aufmerksamkeitsspanne geringer, da unsere Zeit schnelllebiger wird? Können oder wollen wir uns auf das Lesen nicht mehr konzentrieren?

Es ist müßig, darüber zu diskutieren. Die Buchproduktion wird nicht kleiner, sie wird größer. Es wird nicht weniger gekauft, nur anders. Wird wirklich weniger von dem, was gekauft wird, gelesen? Niemand weiß es. Und wer behauptet, es zu wissen, der solle mir einmal erklären, wie er das ermittelt hat. Zehn Menschen an einem Samstag Abend in der Eckkneipe zu fragen, stellt keine Umfragebasis dar.

Natürlich beschäftigen sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene auch mit anderen Dingen in ihrem Leben – warum auch nicht? Haben sie das nicht schon immer? Ist das schlimm?

Ich denke, wir sind ein wenig verkrampft in dieser Angelegenheit. Natürlich entgeht mir als Buchhändlerin nicht, dass ich morgens im Bus oft die einzige aller Fahrgäste bin, die liest. Wenn ich mal verstohlen auf die Handys anderer Menschen sehe, entdecke ich Gedaddel oder Whatsapp. (Und wer das im Bus macht, muss damit rechnen, dass andere mitgucken. 🙂 ) Da überlegt man schon, ob das Buch in der deutschen Kultur nicht mehr den Stellenwert von früher hat. Und dann fragt man sich, wie man um acht Uhr früh schon auf solch verschwurbelte Gedanken kommt und liest weiter.

Ich habe Kinder- und Jugendbuchautor Stefan Gemmel mal gefragt, was er zum Thema lesende oder nichtlesende Menschen denkt. Und das ist seine Meinung:

„Meine Erfahrung ist: Wenn jemand keine Schokolade isst, dann hat er entweder eine Allergie oder noch nicht die richtige Sorte für sich gefunden.

Weil man gegen Bücher aber nicht allergisch sein kann, ist es so, dass ein Nichtleser nur noch nicht das richtige Buch für sich gefunden hat.

In der Fülle an spannenden Abenteuern ist bestimmt für jeden etwas dabei. Man muss nur das richtige finden.

Zum Glück gibt es Buchhändler. Die sind geschickt, wenn es darum geht, für jeden Leser das passende Buch zu finden.

Gegen Allergien weiß der Arzt Rat. Bei Büchern der Buchhändler. Bloß braucht man bei Letzterem keine Spritzen zu befürchten …“

(Stefan Gemmel, selbst als Kind absoluter Nichtleser, heute mehrfach ausgezeichneter Autor und sogar zweifacher Lese-Weltrekordler)

Danke an Stefan für seinen Beitrag. Danke an alle anderen für’s Lesen.

Des Blogs. Und der Bücher!