Unternehmensführung mit Linkin Park

Die Kollegen haben ja immer tolle Ideen. Überhaupt hat jeder tolle Ideen. Jeder andere. Ich dachte immer, ich hätte mich selbstständig gemacht, um meine Individualität auszudrücken. Was nicht bedeuten soll, dass ich mich nicht am Markt oder den Wünschen meiner Kunden orientieren mag.

Das hier vielzitierte und von mir oft geprügelte Fachorgan des Buchhandels, das „Börsenblatt“ (da habe ich auch eine tolle Idee: ersetzen wir doch nach 184 Jahren endlich mal den antiquierten Namen; wir könnten es ja „QualityBlatt“ nennen…!), hat auch viele Vorschläge dazu. Und so kluge! Spiegelbestseller-Regale, zum Beispiel oder Ticketverkauf im Buchhandel. Lesenächte und Arbeitsplatztausch. Die Redaktion ruft die Mitglieder dazu auf, Bilder und „Postings“ ihrer Veranstaltungen einzureichen, damit andere Kollegen dann vielleicht… nun ja, auf tolle Ideen kommen. Man kann ja auch auf Fremdideen kommen. Irgendwann denkt man ohnehin, es war eine eigene.

Aber es ist nicht das Börsenblatt allein, dass einem in letzter Zeit mit so einem Egalisierungsbrett daherkommt: alles schön glattstreichen. So macht man das und nicht anders. NICHT ANDERS! Da bekommt man Anrufe von Unternehmen mit fremder Vorwahl. Nach ein oder zwei Minuten stockenden Gefasels frage ich dann: was verkaufen Sie? Kluge Antwort: das erkläre ich Ihnen ja gerade. Okay, hatte ich noch nicht gemerkt. Eine Empfehlungsplattform, höre ich. Da könnten Kunden dann anrufen und dann wird mein Unternehmen empfohlen. Und alles kostenlos. Der geneigte Marc-Uwe Kling-Leser weiß aber: nichts im Netz ist kostenlos. Nichts!

Oder anderweits soll ich dafür bezahlen, dass mich Kunden im Internetz finden. Frage an den Anrufer von der Billiglohnunternehmensfinderfirma aus Aruba: Wie haben Sie mich denn dann gefunden? – Stille.

Mein Unternehmen ist nicht perfekt. Es ist so modern und so digitalisiert, wie es sein muss und so herzlich und vor allem persönlich, wie ich kann. Es ist so professionell, wie es irgend geht, aber auch so fehlerhaft, wie Menschen sind. Es ist voller Leben und toller Begegnungen und toller Bücher, aber es ist auch voller verworfener Ideen. Es ist eben echt. Echt Buchhandel, echt Lehe. Und wenn ich eine Unternehmensphilosophie annehmen möchte, dann ist es ein kluger Ratschlag der Band Linkin Park: All I want to do is be more like me and be less like you.